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Deine Persönliche Rückendeckung

Teil 1 von 3: Wieder bei mir ankommen

Manchmal beginnt ein neuer Lebensabschnitt mit einem geöffneten Fenster. Und manchmal mit einer Wandfarbe, die anderen viel zu sonnig ist.

Mit diesem Beitrag beginnt meine dreiteilige Blogreihe über das Bedürfnis nach einem eigenen Raum, über Nähe und Rückzug und darüber, wie wir nach anstrengenden Zeiten unseren persönlichen Lebensrhythmus wiederfinden können.

Heute erzähle ich dir, warum ich plötzlich alle Fenster aufreißen musste und weshalb mein Flur unbedingt sonnengelb werden sollte.


Ich konnte wieder atmen

Gezeichnete blonde Frau mit Brille und grün geblümter Bluse sitzt entspannt mit einer Teetasse am Fenster. Daneben steht der Schriftzug „Ich brauche erst einmal wieder Platz für mich“.

So einfach lässt sich das Gefühl beschreiben, das ich hatte, als ich nach ungefähr einem Jahr meine Wohnung endlich wieder ganz für mich hatte.

In dieser Zeit hatte ich einen Untermieter. Wir teilten uns also nicht nur eine Wohnung, sondern zwangsläufig auch ein Stück Alltag. Was zunächst machbar erschien, wurde für mich mit der Zeit immer anstrengender.

Ich habe ADHS. Und eine Sache, die ich inzwischen immer besser über mich verstehe, ist mein großes Bedürfnis nach Rückzug und Zeiten, in denen ich wirklich allein sein kann.

Ich mag Menschen. Ich genieße Gespräche, gemeinsame Unternehmungen und gemütliche Stunden miteinander. Aber ich kann nicht ständig andere Menschen um mich haben.

Irgendwann brauche ich Stille. Einen Raum, in dem niemand etwas von mir möchte, in dem ich nicht mitdenken oder auf die Anwesenheit eines anderen Menschen eingestellt sein muss.

Das bedeutet nicht, dass ich mich mit anderen Menschen grundsätzlich unwohl fühle. Es bedeutet nur, dass ich auch Zeit ganz für mich brauche, um wieder Kraft zu sammeln.

Während des Zusammenlebens hatte ich zunehmend das Gefühl, genau diesen Freiraum zu verlieren.

Da war etwas, das ich kaum in Worte fassen konnte. Wie ein ständiger Druck auf meiner Brust. Nicht unbedingt, weil jeden Tag etwas Besonderes passiert wäre. Sondern weil ich über längere Zeit das Gefühl hatte, in meinen eigenen vier Wänden nicht mehr richtig bei mir sein zu können.

Immer Rücksicht nehmen. Immer mitdenken. Immer irgendwie auf andere eingestellt sein. Und irgendwann merkt man gar nicht mehr, wie sehr man sich dabei selbst zurücknimmt.

Rückblickend weiß ich,
dass ich meine eigenen Grenzen
viel früher hätte ernst nehmen dürfen.


Erst einmal alle Fenster auf

Als ich wieder allein in meiner Wohnung war, habe ich als Erstes die Fenster geöffnet.

Alle. Frische Luft sollte herein. Und mit ihr kamen die Sonnenstrahlen.

Ich stand da und spürte diese unglaubliche Erleichterung. Endlich wieder durchatmen. Endlich wieder meine eigenen Gedanken hören. Endlich wieder selbst entscheiden, wie ich meinen Tag und mein Zuhause gestalte.

Und dann fing ich an, Dinge wegzuräumen. Nicht wirklich, weil ich mir vorgenommen hatte, jetzt ein großes Ausmistprojekt zu starten. Es ergab sich einfach. Hier etwas leerräumen, dort etwas umstellen, alte Spuren beseitigen.

Mit jedem kleinen Handgriff wurde es ein bisschen mehr meine Wohnung.

Kennst du dieses Gefühl, wenn sich im Außen etwas verändert und du plötzlich auch innerlich wieder Platz bekommst?

Bei mir ging beides Hand in Hand. Und während ich die Fenster öffnete und die ersten Dinge wegräumte, wusste ich etwas ganz genau:

Diesen Raum möchte ich mir bewahren. Und ich darf ihn auch schützen.

Ich wollte nicht noch einmal an den Punkt kommen, an dem ich meine eigenen Bedürfnisse so weit zurückstelle, dass ich mich in meinem Zuhause nicht mehr wohlfühle.


Mein Flur musste sonnengelb werden

Irgendwann kaufte ich Farbe. Sonnengelb. Nicht irgendein dezentes Beige oder ein vorsichtiges Cremegelb. Nein, ich wollte ein richtig freundliches, warmes Sonnengelb.

Mein Flur sollte hell werden. Einladend. Lebendig.

Andreas fand die Farbe übrigens ein bisschen zu sonnig.

Ich nicht. Und diesmal blieb ich bei meiner Entscheidung. Nicht wirklich aus Trotz und auch nicht, weil ich unbedingt meinen Willen durchsetzen wollte.

Ich brauchte dieses Sonnengelb für mich.

Es sollte mich daran erinnern, dass ein neuer Lebensabschnitt beginnen darf. Dass ich meine Umgebung so gestalten kann, wie sie mir guttut.

Heute freue ich mich jedes Mal, wenn ich meine Wohnung betrete. Schon im Flur ist es hell und freundlich. Die Farbe empfängt mich gewissermaßen an der Tür.

Das klingt für manche womöglich ein bisschen verrückt, aber manchmal kann eine frisch gestrichene Wand tatsächlich mehr verändern als nur das Aussehen eines Zimmers.

Für mich ist dieser Flur ein sichtbares Zeichen geworden:
Hier bin ich zu Hause. Hier darf ich sein, wie ich bin.


Ein Zuhause ist mehr als ein Dach über dem Kopf

Natürlich bin ich in einer glücklichen Situation. Ich habe eine Vierzimmerwohnung und inzwischen wieder viel Platz für mich allein.

Das ist ein Luxus, den nicht jeder Mensch hat.

Aber mir ist in dieser Zeit auch bewusst geworden, dass es nicht allein auf die Anzahl der Zimmer ankommt. 

Ein Zuhause wird für mich erst dann zu einem wirklichen Rückzugsort, wenn ich dort nicht ständig funktionieren, mich erklären oder anpassen muss.

Wenn ich einfach einmal still sein darf.
Wenn ich Musik hören kann, wann mir danach ist. Oder überhaupt keine Musik.
Wenn ich spontan jemanden zum Kaffee einladen kann, ohne vorher Absprachen treffen zu müssen.

Und wenn ich genauso gut entscheiden darf, dass ich heute niemanden sehen möchte. Das bedeutet nicht, dass ich andere Menschen weniger lieb habe oder keine Gesellschaft mehr genießen möchte.

Im Gegenteil. Ich freue mich darauf, wieder ganz bewusst Menschen einzuladen, gemeinsam zu lachen, zu erzählen und Zeit miteinander zu verbringen.

Nur möchte ich dabei das Gefühl behalten, dass ich auch wieder ganz bei mir ankommen darf.


Manchmal reicht schon ein Lieblingssessel

Du liest diese Zeilen und denkst womöglich: Schön für dich. Aber ich kann mir nicht einfach eine ganze Wohnung für mich allein nehmen.

Das verstehe ich gut. Und ich glaube auch nicht, dass jeder Mensch gleich ein eigenes Zimmer braucht, um ein Stück persönlichen Freiraum zu finden.

Gezeichnete blonde Frau mit Brille und grün geblümter Bluse sitzt entspannt mit einer Teetasse am Fenster. Daneben steht der Schriftzug „Ich brauche erst einmal wieder Platz für mich“.
Ein bisschen Platz nur für mich. Manchmal reicht schon ein gemütlicher Platz am Fenster, eine Tasse Tee und das gute Gefühl, gerade nichts von sich verlangen zu müssen.
📌 Merke dir diesen Gedanken auf Pinterest, damit du dich später daran erinnern kannst, wie wichtig es ist, dir selbst genügend Raum zu geben.

Manchmal kann schon eine kleine Ecke genügen.
Ein Lieblingssessel zum Beispiel. Daneben ein kleiner Beistelltisch, auf dem dein aktuelles Lieblingsbuch liegt. Eine Kerze, eine Pflanze oder ein Gegenstand, mit dem du eine schöne Erinnerung verbindest.

Ein Platz, der nicht einfach nur praktisch eingerichtet ist, sondern wirklich etwas mit dir zu tun hat. Das kann auch ein Fensterplatz sein, an dem du morgens deinen Kaffee trinkst. Oder ein Balkon, den du dir ganz nach deinen Vorstellungen gestaltest.

Und wenn du zu Hause gerade überhaupt keinen solchen Platz findest?

Dann darf dein persönlicher Rückzugsort auch draußen liegen. Eine Bank am Waldrand, ein stiller Platz am Wasser oder ein Baum, unter dem du gern sitzt.

Ich habe selbst erlebt, wie wohltuend es sein kann, sich in der Natur einen vertrauten Ort zu suchen, wenn man sich zu Hause eingeengt fühlt.

Es muss kein besonders schöner oder außergewöhnlicher Platz sein.

Wichtig ist, dass du dich dort wohlfühlst.
Auch ein kleiner Ankerplatz mit Dingen, die dich an das erinnern, was dir wichtig ist, kann helfen. Ein Ort für ein paar Minuten Ruhe, ein kleines Ritual oder einfach zum Durchatmen.

Und manchmal darf man innerhalb einer gemeinsamen Wohnung freundlich, aber deutlich sagen: Diesen Bereich möchte ich gern nach meinen Vorstellungen gestalten.

Nicht alles muss immer ein Kompromiss sein.


Ich möchte meinen Platz nicht wieder verlieren

Mein sonnengelber Flur ist noch nicht das Ende meiner Veränderungen. Hier und da gibt es noch etwas zu tun, und wahrscheinlich werde ich immer wieder neue Ideen haben.

Aber das Entscheidende ist bereits passiert: Ich habe wieder das Gefühl, in meinem eigenen Zuhause angekommen zu sein. Und ich habe verstanden, dass ich dieses Gefühl nicht erst dann ernst nehmen darf, wenn es mir schon lange nicht mehr gutgeht.

🌸 Ich darf vorher merken, wenn mir etwas zu viel wird.

🌸 Ich darf mir Ruhe wünschen.

🌸 Ich darf Platz für mich brauchen, auch wenn ich andere Menschen gernhabe.

🌸 Und ich darf mein Zuhause so gestalten, dass ich mich darin wiedererkenne.

Manchmal beginnt das mit einer großen Veränderung.
Manchmal mit einem Lieblingssessel.
Und manchmal eben mit einem Flur, der für andere viel zu sonnig ist.

Für mich persönlich ist er genau richtig so, wie er ist!


🌿 Ein Gehdanken-Impuls für dich

Schau dich heute einmal in deiner Wohnung um oder halte bei deinem nächsten Spaziergang die Augen offen.

Gibt es einen Platz, an dem du dich wirklich wohlfühlst? Einen Ort, an dem du nichts leisten, niemandem gefallen und dich nicht erklären musst?

Falls nicht, überlege einmal ganz in Ruhe, wie so ein Platz für dich aussehen könnte.

Es muss nichts Großes sein. Ein kleiner Anfang reicht.

✍️ Meine Frage an dich:

Wo ist dein ganz persönlicher Platz zum Durchatmen? Und wenn du ihn noch nicht gefunden hast: Was würde dir helfen, dir ein kleines Stück Raum nur für dich zu schaffen?

Ich wünsche dir einen Ort, an dem du immer wieder bei dir selbst ankommen kannst.

🌸 Deine Silke
Ge(h)dankenwege – Lebenszeit bewusst gestalten


So geht unsere dreiteilige Blogreihe weiter

Teil 2
Ich hab dich lieb. Und brauche trotzdem meine Ruhe.

Warum wir Menschen lieben und trotzdem Zeit für uns allein brauchen. Und wie wir Nähe und Rückzug so gestalten können, dass sich beides gut anfühlt.

Teil 3
Seit ich wieder Raum für mich habe, kommt auch meine Lebensfreude zurück.

Wie ich langsam meinen eigenen Lebensrhythmus wiederfinde, mich mehr bewege und mich auch körperlich wieder wohler fühle. Nicht die Zahl auf der Waage zählt, sondern das Gefühl, wieder bei mir anzukommen.


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