Mehr Leben, weniger To-do-Listen | Teil 2
Wenn mich früher jemand am Abend gefragt hätte, was an meinem Tag besonders schön war, hätte ich wahrscheinlich erst einmal überlegen müssen.
Was habe ich heute eigentlich gemacht? Was habe ich geschafft? Und was steht morgen schon wieder an?
Seit ich wieder angefangen habe, meine kleinen Glücksmomente in Bildern zu sammeln, hat sich das verändert. Heute fallen mir viel schneller die Begegnungen und kleinen Erlebnisse ein, die meinen Tag ausgemacht haben.
Momentan sind es vor allem die bunten Herbstblätter und die Pilze, die mich draußen immer wieder zum Stehenbleiben bringen. Ich entdecke etwas, hole mein Handy heraus und mache ein Foto. Nicht, weil ich das Bild irgendwo veröffentlichen möchte, sondern weil mir dieser Augenblick gefällt.
Und zu Hause wartet mein Selphy-Drucker auf mich.
Ich liebe dieses kleine Gerät. Ein Foto auswählen, ausdrucken und schon kann ich es in mein Bullet Journal kleben. Daneben oder darunter schreibe ich ein paar Gedanken dazu.
Manchmal sind es nur wenige Worte. Aber wenn ich später durch meine Seiten blättere, reicht oft schon das Foto, damit das Gefühl von damals wieder da ist.
Seit wann ist ein ganz normaler Tag eigentlich zu wenig?
Manchmal frage ich mich, warum wir so schnell behaupten, dass an einem Tag nichts Besonderes passiert sei. Eventuell, weil wir bei dieser Frage automatisch an größere Ereignisse denken. An einen schönen Ausflug, einen Geburtstag, einen Besuch oder etwas, das wir schon lange vorhatten.
Aber was ist mit den Tagen dazwischen?
Mit einem Dienstag, an dem wir einkaufen waren, die Wohnung aufgeräumt und ein paar Dinge erledigt haben? Vielleicht fällt jemanden ein Nachmittag ein, an dem wir eigentlich nur eine kleine Runde spazieren gehen wollten und dann doch länger draußen geblieben sind?
Sind diese Tage wirklich weniger wert, nur weil wir hinterher keine aufregende Geschichte darüber erzählen können?
Ich glaube, wir übersehen manchmal, wie viel in einem ganz gewöhnlichen Tag steckt. Und damit meine ich gar nicht, dass wir überall krampfhaft etwas Positives entdecken müssen.
Auch meine Tage sind manchmal anstrengend oder ich bin müde oder habe Schmerzen oder ich bin mit meinen Gedanken ganz woanders. Auch solche Tage gehören zum Leben für mich dazu.
Und dennoch: Es gab zwischendurch trotzdem diesen einen Augenblick, an den wir uns gerne erinnern möchten.
Im Herbst fällt mir das besonders leicht
Ich liebe es, draußen unterwegs zu sein. Und gerade jetzt im Herbst gibt es für mich ständig etwas zu entdecken.
Da liegt plötzlich ein besonders schön gefärbtes Blatt auf dem Weg. Ein paar Schritte weiter wachsen Pilze zwischen Moos und Laub. Manchmal bleibe ich stehen und schaue mir einfach an, wie unterschiedlich die Farben und Formen sind.
Früher hätte ich vielleicht auch ein Foto gemacht und wäre weitergelaufen.
Heute denke ich dabei schon manchmal an mein Bullet Journal.
Welches Bild möchte ich später einkleben? Was hat mir an diesem Moment gefallen? Und woran möchte ich mich erinnern, wenn ich die Seite irgendwann wieder aufschlage?
Dabei merke ich, dass sich mein Blick verändert hat. Ich gehe nicht unbedingt los, um möglichst viele schöne Fotos zu sammeln. Ich entdecke etwas Schönes und möchte es festhalten.
Das ist für mich ein wichtiger Unterschied.
Und so wird aus einem kleinen Spaziergang ganz nebenbei eine richtige Entdeckungstour.
Mein Bullet Journal erzählt inzwischen andere Geschichten
Schon gewussst? Ich bin ja ein echtes Planergirl. Kalender, Listen, kleine Übersichten und hübsch gestaltete Seiten gehören für mich einfach dazu. Ich mag es, meine Gedanken aufzuschreiben und Dinge zu sortieren.
Nur hatte ich irgendwann das Gefühl, dass sich vieles in meinen Aufzeichnungen darum dreht, was noch zu erledigen ist.Dabei wollte ich in meinen Tagebüchern doch schon immer viel mehr festhalten als Termine und Aufgaben.
Deshalb gefällt mir die Idee mit dem Bild des Tages so gut. Ein Foto bekommt seinen Platz auf der Seite. Daneben oder darunter schreibe ich, was ich erlebt habe oder was mir gerade durch den Kopf geht.
Das muss nicht besonders ordentlich aussehen. Und ich finde, es muss auch kein langer Tagebucheintrag werden. Oft reicht schon ein Satz. Und ja, manchmal steht da einfach, dass ich heute einen wunderschönen Pilz entdeckt habe. Oder dass mir ein Gespräch noch lange durch den Kopf gegangen ist.
Und manchmal schreibe ich mehr, weil ein Bild Erinnerungen oder Gedanken auslöst, die ich gerne festhalten möchte.
Ich kenne das schon von meinen früheren Tagebüchern. Wenn ich heute darin blättere, schaue ich meistens zuerst auf die Fotos. Oft ist es so, bevor ich ein einziges Wort gelesen habe, ist das Gefühl von damals wieder da. Genau dieses Gefühl möchte ich auch für die kommenden Jahre bewahren.
Ein Foto verändert manchmal den Rückblick auf den ganzen Tag
Was mich an dieser wiederentdeckten Gewohnheit besonders freut, ist etwas, womit ich anfangs gar nicht so gerechnet hatte. Ich achte inzwischen nicht nur beim Fotografieren mehr auf die kleinen Dinge.
Auch abends erinnere ich mich anders an meinen Tag.
Natürlich weiß ich noch, was ich erledigt habe und was liegen geblieben ist. Schließlich verschwinden meine Aufgaben nicht plötzlich, nur weil ich schöne Fotos mache.
Aber sie stehen nicht mehr automatisch im Mittelpunkt.
Stattdessen denke ich an eine Begegnung zurück. An etwas, das mich zum Lachen gebracht hat. An einen schönen Moment draußen.
Und manchmal fällt mir erst beim Durchsehen meiner Fotos wieder ein, was ich an diesem Tag alles erlebt habe.
Ein Bild kann erstaunlich viel zurückholen.
Nicht nur den Ort oder die Situation, sondern auch die Stimmung. Manchmal sogar Gedanken, die ich in diesem Augenblick hatte.
Ich finde es schön, dass meine Tage dadurch in meiner Erinnerung wieder ein bisschen mehr werden als eine Aneinanderreihung erledigter Aufgaben.
Warum mein Selphy-Drucker dabei eine wichtige Rolle spielt
Ich weiß, man kann seine Fotos natürlich auch einfach auf dem Smartphone lassen. Aber genau das hat bei mir irgendwann dazu geführt, dass ich sie kaum noch angeschaut habe.
Die Bilder waren zwar alle da, aber sie verschwanden zwischen Screenshots, Arbeitsfotos und allem, was man sonst noch so fotografiert.
Mit meinem Selphy-Drucker ist das anders.
Ich kann mir meine Lieblingsbilder selbst ausdrucken, ohne erst irgendwo eine Bestellung aufgeben zu müssen.
Und ich mag diesen Moment, wenn aus einem digitalen Foto ein richtiges Bild wird, das ich in die Hand nehmen kann. Dann suche ich ihm einen Platz in meinem Bullet Journal, klebe es ein und schreibe meine Gedanken dazu.
Das ist für mich eine kleine Auszeit, auf die ich mich mittlerweile immer mehr freue. Deshalb möchte ich so gerne an meiner 7-Tage-Regel festhalten, von der ich im ersten Teil dieser Reihe erzählt habe.
Spätestens nach sieben Tagen werden die gesammelten Bilder ausgedruckt. Oft freitags oder am Wochenende, nehme ich mir dafür Zeit. Auf alle Fälle nicht, weil ich eine weitere Pflicht brauche, sondern weil ich weiß, wie schnell ich solche Dinge sonst wieder aufschiebe.
Und ich möchte dieses Mal wirklich dranbleiben.
Vielleicht war heute doch mehr los, als du denkst
Wenn du heute Abend ein paar Minuten Zeit hast, dann denk doch einmal an deinen Tag zurück.
Nicht daran, was du alles geschafft hast. Klar überlegen wir automatisch, was wir nicht geschafft und morgen unbedingt erledigen müssen. Klar, sehr wichtig.
Mir geht es eher um die kleinen Dinge dazwischen.
Gab es eine Begegnung, über die du dich gefreut hast? Hast du draußen etwas entdeckt? Hat dich jemand zum Lachen gebracht? Oder gab es einfach einen Moment, in dem du dich wohlgefühlt hast?
Vielleicht fällt dir sofort etwas ein. Eventuell musst du auch erst ein bisschen überlegen. Und wenn heute wirklich kein schöner Moment dabei war, dann musst du auch keinen dringend erfinden.
Mir geht es nicht darum, jeden Tag unbedingt positiv zu bewerten. Ich möchte nur nicht mehr so schnell übersehen, was tatsächlich schön war. Verstehst du, was ich meine?

Falls du irgendwann wieder denkst, dass heute eigentlich gar nichts Besonderes passiert ist. 😉
Mein Gehdanken-Impuls für dich
Eventuell magst du in den nächsten Tagen selbst einmal ausprobieren, einen kleinen Augenblick ganz bewusst festzuhalten.
Du brauchst dafür weder ein besonderes Tagebuch noch einen Fotodrucker. Ein Foto auf deinem Handy und ein kurzer Gedanke dazu reichen für den Anfang völlig aus. Und wenn du irgendwann Lust bekommst, daraus ein eigenes Erinnerungsbuch zu machen, kannst du immer noch damit anfangen.
Ich jedenfalls freue mich schon darauf, meine nächsten Herbstbilder auszudrucken. Ein paar bunte Blätter, ein besonders schöner Pilz und vielleicht noch eine kleine Überraschung, die mir unterwegs begegnet.
Denn eigentlich war heute vielleicht gar nichts Besonderes.
Oder ich habe nur noch nicht richtig hingeschaut?
Und jetzt bin ich neugierig: Was war dein letzter kleiner Glücksmoment? Etwas, das für andere vielleicht völlig unscheinbar gewesen wäre, über das du dich aber richtig gefreut hast?
Dies ist Teil 2 meiner dreiteiligen Reihe „Mehr Leben, weniger To-do-Listen“. Im ersten Beitrag „Irgendwo auf deinem Handy liegt ein Glücksmoment“ habe ich erzählt, warum ich meine alten Foto-Tagebücher wiederentdeckt habe.
Im dritten und letzten Teil geht es darum, wie aus sieben Tagen voller kleiner Augenblicke ein persönliches Erinnerungsbuch wird und warum ich mir dafür ganz bewusst Zeit nehmen möchte.