Manchmal entstehen auf einer Spielwiese Dinge, die vorher gar nicht geplant waren. Genau so sind Mila und Benno bei mir eingezogen.
Zwei kleine Hunde, zwei ziemlich unterschiedliche Charaktere und inzwischen eine eigene kleine Welt, die irgendwo im fiktiven Birkenhagen zu Hause ist.
Ich möchte euch ihre Geschichten erzählen. Nicht erklären, was ihr darin entdecken sollt und auch keine Lebensweisheit darunter schreiben. Vielleicht sind Mila und Benno für euch einfach zwei Hunde, deren Erlebnisse ihr gern verfolgt. Vielleicht begegnet euch zwischendurch aber auch ein Gedanke, ein Gefühl oder eine Situation, die euch merkwürdig bekannt vorkommt.
Bevor wir Mila und Benno heute in Birkenhagen besuchen, möchte ich jedoch ganz am Anfang beginnen.
Bei zwei kleinen Hunden, die noch keine Ahnung davon hatten, dass sich ihre Wege eines Tages begegnen würden.
Mila und der Garten ohne viele Worte
Ein wichtiger Teil von Milas Kindheit spielte im Garten ihrer polnischen Großmutter.
Mila liebte diesen Garten. Dort wuchs nicht alles in ordentlichen Reihen und manches schien einfach dort aufgetaucht zu sein, wo es ihm gerade gefiel. Zwischen Gemüse und Blumen gab es Kräuter, Sträucher, alte Bäume und verwachsene Ecken, in denen man wunderbar verschwinden konnte.
Für Mila war das ein Paradies. Mit ihrer Großmutter konnte sie sich nicht einfach über alles unterhalten. Mila verstand die Sprache ihrer Großmutter kaum, und ihre Großmutter verstand Milas Sprache ebenso wenig.
Im Garten störte das erstaunlich selten.
Ihre Großmutter zeigte auf eine Pflanze, nahm ein Blatt zwischen die Pfoten und ließ Mila daran riechen. Sie strich über eine raue Rinde und Mila tat es ihr nach. Manchmal probierten sie etwas, manchmal schauten sie einfach nur gemeinsam hin.
Mila lernte, dass man nicht für alles sofort ein Wort braucht. Denn sie kann schauen, riechen, fühlen und beobachten. Und wenn sie etwas noch nicht kennt, kann sie versuchen, mehr darüber herauszufinden.
Mit der Zeit wartete Mila immer seltener darauf, dass ihre Großmutter ihr etwas zeigte. Sie ging einfach selbst los.
Ein Käfer verschwand unter einem Blatt?
Mila wollte wissen, wohin.
Im Gras raschelte etwas?
Mila musste nachsehen.
Hinter einem Strauch wuchs etwas, das gestern ganz bestimmt noch nicht dort gewesen war? Zumindest war Mila davon überzeugt.
So wurde aus dem Garten ihrer Großmutter nach und nach ihre erste kleine Forschungswelt. Und Mila lernte etwas, das sie ihr ganzes Leben begleiten sollte:
Vor dem Unbekannten muss man nicht gleich Angst haben.
Man darf erst einmal neugierig sein.
Benno und die Dinge, die andere übersahen
Bennos erste Jahre waren anders. Vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr lebte er nicht bei seinen Eltern auf. Vieles musste er dort früh selbst herausfinden, auch, womit er sich beschäftigen konnte.
Benno war gern draußen.
Und draußen gab es schließlich immer irgendetwas. Einen besonders geraden Stock. Ein Stück Rinde. Kleine Steine. Zweige, die sich miteinander verbinden ließen. Vielleicht irgendwo ein Stück Schnur, das niemand mehr brauchte.
Wo andere nur Dinge auf dem Boden liegen sahen, sah Benno Möglichkeiten.
Aus dem, was der Garten hergab, begann er, sich sein eigenes Spielzeug zu bauen. Nicht immer funktionierte das, was er sich ausgedacht hatte. Manches fiel schon beim ersten Versuch wieder auseinander.
Dann hockte Benno davor und schaute es sich an.
- Warum hatte es nicht gehalten?
- Was könnte er anders machen?
Und dann probierte er es noch einmal.
Als Benno mit sechs Jahren zurück zu seiner Familie kam, blieb ihm diese Freude am Draußensein. Er streifte lieber herum, als lange irgendwo stillzusitzen. Und noch immer konnte etwas, das andere achtlos liegen ließen, seine Aufmerksamkeit wecken. Benno wollte wissen, was man damit machen konnte.
Vielleicht begann genau dort etwas, das viele Jahre später an seiner Werkbank selbstverständlich aussehen würde. Noch hatte er kein richtiges Werkzeug vor sich.
Aber er tüftelte längst.
